Der Natur überlassen

10 Kommentare

Zugegeben, wir haben viel Platz im Garten. Nutz- und Ziergarten waren bald angelegt. Am Ende blieben immer noch 1000 qm übrig, die wir nicht bzw. nur sehr wenig bearbeiten wollten.

Anfangs hatten wir das Wiesenstück an Tierhalter verpachtet. Aber es stellte sich schnell heraus, dass es dafür dann doch zu klein war. Dann versuchten wir uns darin einen „ordentlichen“ Rasen anzulegen. Die Kosten für Dünger und Wasser gingen ins Unermessliche. Mal abgesehen von der Zeit, die mein Mann allein für das Rasenmähen brauchte. Bei zwei berufstätigen Vollbluteltern mit Riesengarten? Das ist kaum durchzuhalten.

Dann kam Plan C: Ein „Wildgarten“. Schließlich leben wir am Rand des sogenannten Naturparks Nordeifel. Also begannen wir vor 3-4 Jahren damit unsere ungenutzte Wiese naturnah anzulegen. Die Wiese wird maximal 3 x pro Jahr gemäht. Der Rasenmäher frisst sich nur ein paar Wege in das hohe Gras.

Eine komplette Blühwiese anzulegen, war immer mein Traum. Aber auch das hat sich bei dieser Fläche als Mammutaufgabe herausgestellt. Hier haben wir uns für eine langsame Vorgehensweise entschieden. Zuerst mussten ein paar schöne Obstbäume her. Kirschen, Äpfel, Birnen. Inzwischen sorgen sie für einige schattige Fleckchen auf meiner Wiese. Sogar zwei Maronenbäume sind im letzten Herbst dazu gekommen.

Mein Mann legt jedes Jahr einige „Blühinseln“ an. Das bedeutet, dass er den Rasen absticht. Die Grassoden schichtet er zu einem Hügel auf, der jedes Jahr größer wird. Mit dem Gras nach unten und der Erde nach oben, gewinnt er eine Fläche, die mit einjährigen Blumen eingesät wird. Der Hügel gibt dem Wildgarten zusätzlich eine eigenwillige Struktur. Steine und kleine Findlinge, die wir bei der Gartenarbeit finden, schichten wir zu Trockenmauern auf oder wir legen sie zu kleine Pflasterflächen aus mit durchlässigen Fugen. Sie geben dem Garten noch mehr Struktur und bieten Kleinstlebewesen genügend Wohnraum.

Die Blühinseln werden zunächst „abgemagert“. Wir haben sehr schweren lehmigen Boden. Darauf halten sich Wiesenblumen nur sehr ungern. Abmagern bedeutet, dass wir leichten Sand in den aufgelockerten Lehmboden einarbeiten. Danach werden Wiesenblütenmischungen ausgebracht. Mit den Fertigmischungen aus den Baumärkten und Gartencentern haben wir schlechte Erfahrungen gemacht. Wir haben festgestellt, dass unsere Kommune in Zusammenarbeit mit der hiesigen Biologischen Station, Samenmischungen aus regional-typischen Blühpflanzen zusammenstellen lässt. Damit werden öffentliche Blühstreifen angelegt. Seit neustem säen wir unsere Blühinseln damit ein. Im ersten Jahr müssen sie noch regelmäßig gewässert werden. Danach werden sie sich selbst überlassen. Der Erfolg gibt uns Recht: Nach und nach übervölkern die Blumen und Kräuter auch die unbearbeitete Wiesenfläche. Nach einigen Jahren breiten sich unsere angelegten Blühinseln zu einer flächendeckenden Blütenwiese aus.

Oft habe ich das riesige Grundstück und die „Dreckecken“ verflucht, aber mit ein wenig Geduld und Vertrauen in die Natur ist es doch ganz hübsch geworden. Der Dank sind tausende Marienkäfer, Schmetterlinge, Glühwürmchen uvm.

10 comments on “Der Natur überlassen”

  1. Gute Fotos. Wir haben eine Brandenburger Trockenwiese hinterm Haus. Es musste erst Corona und ein gutes Makroobjektiv kommen, bis ich merkte, wie vielfältig das Blumenleben dort im Frühling ist.

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    1. Dann hatte dieses Coronading doch wenigstens ETWAS Gutes. Ich liebe die brandenburgische Prärienlandschaft. Ich bin dort aufgewachsen. Allerdings musste ich dazu erst in die Eifel ziehen, um zu erkennen, was ich zurück gelassen habe. Viele Grüße in meine ehemalige Heimat.

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  2. Sehr schön! Ich mache das ähnlich, habe aber leider nicht so viel Platz. Aber es ist verblüffend, wieviel Natur plötzlich wieder auftaucht, wenn man sie nur mal machen lässt, wuchernde Pflanzen entfernt und dem Rest Zeit zum Wachsen gibt. Und wenn man dann noch regional heimische Blühpflanzen einsät, ist das ein Traum. Es müsste deutlich mehr solcher Gärten geben.

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  3. Ich mache es ähnlich, allerdings mit noch weniger Aufwand. Als ich vor mehr als zehn Jahren einen ziemlich verwilderten Garten übernehmen konnte, habe ich von Anfang an „wilde Ecken“ belassen. Und da Rasenmähen noch nie zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählte, wird zum ersten Mal gemäht, wenn Wiesenschaumkraut, Löwenzahn und Margeriten abgeblüht sind. So konnten Wildblumen und Kräuter sich ungestört ausbreiten. Teilweise habe ich mit verstreuten Samen aus umliegenden Wiesen und Wäldern nachgeholfen: Hagebutten, Schlehen, Holunder, Ebereschen, orangerotes Habichtskraut, wilde Mondviole u.a. nachgeholfen. Günsel und Gundermann, Ehrenpreis (drei Wildarten), Goldnessel, Bachnelkenwurz u. v. m. waren schon da oder haben sich von selbst eingefunden. Dazwischen wurden ein paar Obstbäume (alte Sorten) gesetzt, die für ein Wechselspiel von Licht und Schatten und für gute Ernte sorgen. Abgemagert wird der Boden, indem Grasschnitt und Blätter abgerecht und für Blumen- und Gemüsebeete kompostiert werden. Inzwischen beschränkt sich die Gartenarbeit im Wesentlichen darauf, dem Wildwuchs Einhalt zu gebieten, vor allem im Blumen- und Gemüseteil. Das Motto: Bei mir darf (fast) alles wachsen, aber nicht überall. Der Lohn: verschiedenste Insekten- und Vogelarten – trotz Hund und Katze. So macht Garten Spaß und die Arbeit bleibt überschaubar.

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      1. Meine sehr ordentlichen Nachbarn haben sich daran gewöhnt, bezeichnen meinen Garten als „wildromantisch“ und lassen teilweise jetzt sogar selbst Margeriten und Brennnesseln stehen. Das finde ich super!

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